Buchvorstellung: Frankfurt Ripper

Frankfurt Ripper
von Martin Olden

Verlag: mainbook Verlag
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1089 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 212 Seiten
ASIN: B00G03JC00
Preis: 6,99 Euro (für Kindle); 10,50 Euro (Taschenbuch)
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Beschreibung:

Klaus Scholz ist 60 Jahre alt, Programmierer im Vorruhestand und lebt ein beschauliches Leben im Frankfurter Stadtteil Sindlingen. Er kümmert sich um seine schwer demenzkranke Mutter, hilft der greisen Nachbarin im Garten und gibt ihrem Enkel Mathe-Nachhilfe. Soziale Kontakte hat er nur sehr wenige: nur der afrikanische Brieftäger und der Kioskbesitzer um die Ecke zählen zu seinen wenigen Sozialkontakte.
So unscheinbar und freundlich Klaus Scholz ist, so dunkel ist sein zweites Ich. Mit Hilfe von Facebook, Twitter und Co. will es Klaus unter die ersten Plätze der Serienkiller-Hitliste schaffen. Sein erklärtes Ziel: Sein Wikipedia-Eintrag soll länger werden als der von Fritz Haarmann.

Meinung:

Frankfurt Ripper ist ein äußerst blutrünstiges Buch, dass an vielen Stellen wirklich ekelerregend ist. Sehr genau beschreibt Martin Olden die Morde, die sein Hauptprotagonist Klaus Scholz begeht. Scheinbar wahllos wählt Scholz seine Opfer aus und tötet sie auf bestialischste Weise um anschließend auf seinem Blog frankfurtripper.wordpress.com, auf Facebook und Twitter detailliert darüber zu berichten. Das einzige, was ihm bei seinen Opfern wichtig ist, ist, dass sie beliebt sind. Denn beliebte Menschen werden vermisst und so sind die Schlagzeilen und der damit einhergehende Ruhm größer.

Zwischen den brutalen Morden erhält man Einblick in das Leben des Klaus Scholz. Eine traurige Kindheit, die vom gottgleichen Vater überschattet wird, der scheinbar alles weiß, und alles kann. Der seinen Sohn züchtigt und mit Worten nieder macht, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Der seinen Sohn einen Versager nennt und ihm auch das Gefühl gibt, einer zu sein. Die Mutter, die sich nicht erwehrt und ihrem Jungen stattdessen kochen, backen und handarbeiten beibringt. Klaus hat zeitlebens nur den einen Wunsch: endlich aus dem Schatten seines übermächtigen Vater herauszutreten und der Welt (vor allem wohl seinem Vater) zu beweisen, dass er auch etwas kann und etwas wert ist. Scheinbar ist ihm das gelungen, als er nach dem Abitur und der Ausbildung zum Programmierer eine gutbezahlte Anstellung findet. Doch dan wird Klaus mit Ende 50 mir nichts dir nichts in den Vorruhestand versetzt und das Gefühl versagt zu haben, kommt wieder zurück. Als Ausgleich beginnt er seine „Karriere“ als Serienmörder.

Der Schreibstil von Olden ist flüssig und die gewählte „Ich“-Form lässt den Leser schnell eintauchen in die Geschichte und bringt einem den Täter so nah, wie es wohl nur selten bei Thrillern der Fall ist. Olden zeichnet ein erschreckend perfektes Psychogramm eines Massenmörders. Dabei legt er eine selten dagewesene Gratwanderung hin: auf der einen Seite der hilfsbereite Nachbar, der in regelmäßigen Abständen zum skrupellosen Killer mutierte, der sowas von abgewichst ist, dass er nach einem rührenden Besuch bei seiner Mutter ganz gezielt sein nächstes Opfer aussucht und kaltblütig massakriert. Ein ums andere Mal laufen einem eisige Schauer über den Rücken. Eine weitere wichtige Rolle lässt Olden dem Kioskbesitzer zukommen: durch seine gesellschaftskritischen und politischen Äußerungen in seinen Gesprächen mit Klaus, steht er stellvertretend für einen Großteil der Gesellschaft.

Fazit:

Nichts für schwache Nerven !
Gekonnt wird hier das Bild eines Monsters gezeichnet, dass sich perfekt in die Gesellschaft einfügt und dem niemand so abscheuliche Taten zutrauen würde. Martin Olden gelingt es, eine wirklich gute Charakterstudie zu zeichnen: Klaus ist nich einfach ein durchgeknallter Irrer, sondern eine arme Seele, die ein kaputte Kindheit hatte, unter Versagensängsten leidet und die eigene Mutter abgöttisch liebt und nicht weiß, wie er ihr anders imponieren soll, als zum bekanntesten Serienmörder Deutschlands zu werden.

Das Ende kam für meinen Geschmack sehr abrupt; auch wenn ich auf der anderen Seite froh war, dass das Buch mit all seinen Scheußlichkeiten endlich aus war. Auf jeden Fall gibt’s Spielraum für eine Fortsetzung.

Es ist kein Buch, das man ausliest und dann damit „fertig“ ist, das muss einem klar sein. Es ist ein Buch, dass einen noch tage-, vielleicht sogar wochenlang beschäftigt. Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob bei mir nebenan nicht auch ein Killer wohnen könnte, ohne dass ich es bemerke. Wenn er so wie Klaus Scholz ist: ganz bestimmt !

Über den Autor:

Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Autors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der Frankfurter Neuen Presse. Ebenso ist er als Moderator des Senders Radio Fortuna sowie als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Sommer 2011 erschien sein erstes Kinderbuch Mach mich ganz Fabeln und Gedichte über Glaube, Liebe und Hoffnung. Es folgten die gereimten Erzählungen Wer hat den Wald gebaut? und Wo ist der Tannenbaum? und Anfang 2013 Rybickis erster Krimi Gekreuzigt.

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4 von 5 Sternen

 

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