Wiesn

wiesn

muenchen.de hat zur #blogparade zum Thema „Oktoberfest“ aufgerufen. Na, da machen wir doch mit 🙂

Alle Jahre wieder kommt eben nicht nur das Christuskind, sondern in München auch das Oktoberfest. Tschuldigung, d‘ Wiesn. 

Schon im Juli fangen die Aufbauarbeiten auf der Theresienwiese an. Da wird gehämmert und gezimmert was das Werkzeug hergibt – wochenlang. Tonnenweise wird der Hopfen für die Festzeltdekoration angeliefert und kunstvoll gezwirbelt und gedreht. Ungezählte Ochsen, Hendl (Hähnchen), Enten, Ochsen, Schweine und so weiter werden abgemurkst und zu allerlei Leckereien verarbeitet. Knödel, Blaukraut, hast du nicht gesehen. Vorgekocht und eingefroren – is eh klar. Sonst klappt’s nicht mit der Gästebewirtung.

Und jedes Jahr ist pünktlich zum ersten Wiesnsamstag alles picobello fertig und bereit für 6 Millionen feierwütige Münchner, Preußen, Australier, Amerikaner, Engländer, Russen, Asiaten und Italiener.

Die letztgenannten übrigens brauchen gleich ein ganzes Wochenende für die Party: das mittlere Wiesnwochenende ist das sogenannte Italiener-Wochenende. Da ist die Theresienwiese, ach woher – die ganze Stadt, fest in italienischer Hand. Das ist auch zumeist das Wochenende, an dem’s am meisten „zuageht“, wie man hier sagt.

Das soll nicht heißen, dass es den Rest der Zeit noch zuginge. Natürlich sind die Wochenenden gesteckt voll, aber auch unter der Woche steppt der Löwe (ich weiß schon, dass es eigentlich „Bär“ heißt, aber bemüht halt mal Google um die Kuscheltiere der Wittelsbacher) unterhalb der Bavaria.

Jetzt ist es an der Zeit mich als „Zuagroaste“ zu outen, oder „Eigeplackte“, wie man da sagt, wo ich die letzten 20 Jahre meines Lebens verbracht habe. Gebürtig komm ich aus der schönen Rhön und bin, rein geographisch gesehen, noch Bayerin. 😀 Das darf man hier natürlich nicht laut sagen, denn (Unter-)Franken gehört schon eher zu „Preußen“ 😛

Der Liebste dagegen ist das, was man landläufig wohl „Münchner Kindl“ nennt. Der ist hier geboren und aufgewachsen; das Oktoberfest liegt ihm sozusagen im Blut. 😛 Wiesn hier, Wiesn da – am liebsten wär er glaub ich rund um die Uhr draußen. Kurz: Er liebt das Oktoberfest. Also kam ich nicht aus.

In meinem ersten Jahr an seiner Seite, 2010 war das, musste ich also mit. Zufällig feierte man da auch gleich noch die „Jubiläumswiesn“ – 200 Jahre Münchner Oktoberfest. Zum ersten Mal fand die „Oide Wiesn“ statt. Muss ich sehen. War ja noch nie dort.

Äh. Ja. Einmal im Leben muss man das wohl gesehen haben. Allein das Ausmaß kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Das ist wie alle Feste, die ich kenne, zusammen und noch viel größer. Kurzum: es ist gigantisch. Das Fest der Feste. Seit ich also zum ersten Mal draußen war, glaube ich unbesehen, dass es auf der Welt kein größeres Volksfest gibt als hier bei uns. Aber öfter als einmal ist dann auch nicht wirklich nötig. Sooo toll ist es dann auch nicht. Ist wie Fasching. Nur im Herbst. Plötzlich verkleiden sich alle und laufen in Lederhosen oder Dirndl umeinander – Japaner, Australier, Amerikaner, wat weiß ich noch alles.

Mir ist es zu laut, zu voll, zu dreckig – und zu viele volltrunkene Menschen. Es ist ein Kreuz. Wird doch also extra für die Wiesn Starkbier gebraut – in Anbetracht der vielen volltrunkenen Menschen, die unsere schöne Stadt versauen, sollte man es vielleicht eher mal mit einer „Light-Variante“ probieren 😛 Die vertragen ja alle nix. Und schon gar kein Starkbier. Und nicht aus so großen Gläsern. Falls es wer noch nicht mitgekriegt hat: hier trinkt man Bier LITERWEISE. Wenn man „a Hoibe“ bestellt, führt das zur allgemeinen Belustigung und gutgemeinten Kommentaren à la „kumm wieder, wennst a Ganzes vertrogst“.

Jedes Jahr auf’s Neue versuchen sich ausgerechnet die, die am wenigsten vertragen, im „Kampftrinken“. Da schreckt auch der Bierpreis nicht wirklich ab, der alle Jahre wieder heiß diskutiert wird. Am Ende können die Wirte eh verlangen, was sie wollen – es wird ja doch gezahlt. Das kann, im besten Fall, äußerst erheiternd am „Tobogan“ enden (also, für die Zuschauer :D); im weniger guten Fall endet es … naja … unter der Bavaria halt – am Kotzhügel (der sich in diesem Jahr anscheinend besonders großer Beliebtheit zum „Fremdschämen“ erfreut, hab ich gelesen); oder auch gerne mal in der U-Bahn. So wie der junge Mann heute, der sich schon um 17 Uhr dermaßen zugerichtet hatte, dass er der arbeitenden Bevölkerung mit Anlauf vor die Füße k*tzte was er in welchem Zelt auch immer für teuer Geld erworben hatte 😛

Ihr merkt schon – ich gehöre eher zur Fraktion der „Wiesnhasser“, wobei; das ist nicht wirklich richtig. Mir ist des wurscht. Wer gehen will, der soll gehen. Nett finde ich die traditionellen Umzüge, die gemacht werden. Also der Einzug der Wiesnwirte mit den schön geschmückten Pferdegespannen (heißt das so?!) und auch der Trachten- und Schützenumzug ist wirklich schön. Ja, hab ich schon gesehen.

Aber ansonsten sollen die mich einfach in Ruhe lassen mit dem ganzen Brimborium. Ich mag nicht raus, ich mag mir nicht (ungefragt!) den Mageninhalt von anderen Menschen angucken müssen und ich mag nicht begrabbelt und angerempelt werden. Ich bleib dahoam. Aus diesem Grund ziehen auch in diesem Jahr wieder pünktlich zur Wiesn dunkle Wolken auf – weil einer immer raus will und der andere am liebsten nie.

Wenn also Ende September pünktlich um 12 Uhr ein „O’zapft is“ durch den Schottenhamel dröhnt beginnt für den einen die schönste Zeit des Jahres und der andere zählt die Stunden, bis „16 Tage München kotzt“ endlich wieder vorbei ist. Und so darf der eine ziehen und der andere in Ruhe auf der Couch den Blog schreiben 😉

In diesem Sinne: noch 5 Tage, dann ist es geschafft ! Dann heißt es endlich „Aus is'“ und es kehrt wieder Normalität ein in der Stadt. Dann ist es auch wieder schön hier und nicht so siffig wie jede x-beliebige Großstadt über die die Münchner so gerne die Nase rümpfen 😉

Hoch die Krüge – angestoßen – oans zwoa g’suffa …

Ein Gedanke zu „Wiesn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.