Buchvorstellung: Augustine


Augustine


In den Schuhen der anderen


von Isabella Maria Kern

Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 274 Seiten
Verlag: IATROS; Auflage: erste (21. August 2017)
ISBN: 3869634103
Preis: 14,60 Euro (Taschenbuch)
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Beschreibung:

„Augustine -– In den Schuhen der anderen“ ist die irreale Geschichte einer Frau, die mit Hilfe einer besonderen „Gabe“ in die Körper anderer Frauen schlüpft (transcorporiert), um leidenschaftlichen Sex zu haben und sich wenigstens für kurze Zeit der Illusion hinzugeben, geliebt zu werden.
Als sie sich in Dominik verliebt, zwingt sie die Angst, nicht attraktiv genug zu sein, in den Körper der bezaubernden Melanie zu schlüpfen, deren „Liebe“ Dominik schließlich erwidert.
Doch Melanies Körper steht nicht immer zur Verfügung, was Augustine immer kälter und rücksichtsloser werden lässt…
Es ist die Geschichte einer Frau, die ihren persönlichen Wert emotional nicht erfassen kann. Das Gefühl, sich nur in fremden Körpern als vollkommen zu sehen, lässt Augustine immer tiefer in ihre verworrene Gefühlswelt sinken.
In der Psychologie versteht man unter dem „Selbstwert-gefühl“ die Bewertung, die man von sich selbst hat.
Viele Menschen haben ein verzerrtes Bild von der eigen-en Persönlichkeit und erlauben sich nicht, sich selbst fantastisch und attraktiv zu finden.
Sie haben Angst nicht zu genügen und verstecken sich hinter falschen Masken. So auch Augustine, die nicht glaubt, ihrer selbst willen geliebt werden zu können.
Und sie versinkt im Strudel der Bösartigkeit.

Meinung:

Puh. Da musste ich erstmal innehalten, ne Nacht drüber schlafen und alles sacken lassen. Das ist schon eine krasse Geschichte ! Eigentlich spielt das Drama in der Realität, aber sowas kann doch nicht real sein ? Man kann es sich nur wünschen. Andererseits – wie cool wäre es vielleicht tatsächlich, wenn man in die Leben von anderen Menschen schlüpfen könnte? Da bekommt der Ausspruch „Geh erstmal in meinen Schuhen“ einen völlig neuen Kontext !

Augustine ist eine junge, in sich gekehrte Frau, die die Fähigkeit besitzt in andere Körper zu schlüpfen, wenn sie die Schuhe der Person anzieht. Dabei wechselt sie tatsächlich nur den Körper – sie bleibt von ihrem Wesen her immer sie selbst. Da Augustine eine sehr schüchterne Frau ist, und sich selbst für unzulänglich und nicht liebenswert hält, schlüpft sie vorzugsweise in die Körper von schönen, attraktiven jungen Frauen um sich so ihren sexuellen Fantasien hinzugeben, was sie sich in ihrem eigenen Körper nie trauen würde. Im Grunde genommen geht alles „gut“ – die Frauen haben einen Blackout und können sich danach an nichts mehr erinnern. Augustine bekommt was sie möchte und nimmt die Schuhe mit zu sich nach Hause, wo sie sie im Keller aufbewahrt. Doch dann verliebt sich Augustine in Dominik, den Bruder ihrer besten Freundin Sabina. Leider hat Dominik nur Augen für Melanie, in deren Körper er mit Augustine hervorragenden Sex genießt. Und so kommt es wie es kommen muss: Augustine schlüpft wieder und wieder in den Körper von Melanie und dieser Wechsel wird von Mal zu Mal für beide Seiten schmerzhafter, bis Melanie nur noch ein Schatten ihrer selbst, in eine geschlossene Psychiatrie eingeliefert werden muss. Sie spricht nicht mehr, isst nicht mehr, springt dem Tode von der Schippe. Da beginnt Augustine umzudenken und festzustellen, welchen Schaden sie eigentlich mit ihrer „Transcorporation“ anrichtet. Sie beschließt als Augustine ihr erstes Liebesabenteuer zu erleben und angelt sich Leopold, einen Kellner aus ihrem Stammcafé. Doch Leopold ist verheiratet und als seine Frau nach einer Auszeit zurückkehrt und den beiden klar wird, dass sie es noch einmal miteinander versuchen wollen, schlüpft Augustine in den Körper von Leopolds Frau – und dabei ist es ihr egal, ob diese stirbt oder nicht. Das bringt Augustine dann endgültig dazu sich zu läutern und diesen Schritt nicht mehr zu gehen. Sie vertraut sich ihrer Freundin Sabina an, zumindest, so weit es möglich ist und fühlt sich danach viel besser. Als sie gemeinsam mit Sabina und Dominik Melanie besucht, erkennt sie in einer Notsituation ihr unglaubliches Potential, die ihr eigene Gabe nicht nur zu ihrem eigenen Vorteil, sondern zum Nutzen von anderen einsetzen zu können.

Eine mitreißende Geschichte und eine großartige Idee. Ich war oft genervt von Augustine, so ein neurotisches Etwas kann es doch nicht wirklich geben, oder ? Dann wieder tat sie mir einfach nur unendlich leid. Sie findet sich so zwanghaft unzulänglich und traut sich doch nicht, sich jemandem anzuvertrauen, das hat schon tragische Züge. Ihre Denkweise hat mich oft stutzig werden lassen, man kann nur hoffen, dass es nicht viele Menschen gibt, die so abgrundtief bösartig sind, wie Augustine es sein kann. Man kommt nicht umhin zu glauben, dass mehrere Persönlichkeiten in Augustine um die Vorherrschaft kämpfen, denn sie kann gleichzeitig auch wirklich einfühlsam und eine gute Freundin sein.

Nach der Lektüre dieses Buches kann ich ein bisschen mehr nachvollziehen, wie manche Menschen einfach all ihre Moralvorstellungen und ethischen Grundsätze über Bord werfen und Straftaten begehen – aus Liebe, wie sie selbst angeben. Im Grunde genommen macht es Augustine auch so (wobei zumeist ja niemand wirklich zu Schaden kommt, bei ihren Eskapaden): es geht ihr weniger darum, andere zu verletzen, sondern darum selbst anerkannt zu werden. Sie will geliebt und begehrt werden und greift dafür zu drastischen Methoden. Dabei gerät sie mehr und mehr in ein Suchtverhalten, aus dem sie kaum mehr herausfindet.

Zum Stil von Isabella Maria Kern ist zu sagen, dass ich ihre Schreibart sehr mag. Die Kapitel haben eine gut Länge, man kann gut und gerne „noch eins dranhängen“, wenn man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Ich bin ja nicht so der Freund von Kapiteln, die über 70 Seiten gehen … Die Autorin versteht es gut mit Worten diese düstere, beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die eine solche Geschichte braucht. An mancher Stelle ist es mir tatsächlich eiskalt den Rücken runtergelaufen. Hin und wieder habe ich den Kopf geschüttelt und mich gefragt, was das eine oder andere jetzt soll und was genau es eigentlich mit der Handlung zu tun hat, aber am Ende löst sich beinahe jeder Handlungsstrang vollständig auf. Der Schluss ist durchaus unerwartet.

Fazit:

So skurril die Geschichte auch ist; sie hat mich wirklich angesprochen. Ich war in einem Gefühlschaos gefangen und habe mit Augustine gelitten, sie gehasst, war erschrocken, abgestoßen, fasziniert. Selten hat eine einzige Geschichte alle diese Gefühle in mir hervorgerufen. Chapeau ! Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung!

5 von 5 Sternen
 

 
Vielen Dank an Isabella Maria Kern für das Rezensionsexemplar !

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